Das verschwundene Kloster
Eine Spurensuche von Hans Dieter Budde
Vor über 155 Jahren kaufte der katholische Kartäuser-Orden ein ehemaliges Rittergut im heutigen Düsseldorfer Stadtteildreieck Unterrath-Lichtenbroich-Lohausen. Das Areal war mit 750.000 Quadratmetern so groß wie der Düsseldorfer Nordfriedhof oder etwa doppelt so groß wie der Vatikan. Die Mönche bauten darauf ihr Kloster, die imponierende „Kartause Maria Hain“. 1964 war ihnen der Flughafen zu laut geworden und die Stadt zu nahe gerückt. Der Konvent zog ins Allgäu um. Sofort danach wurden alle Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. Nur ein Denkmal erinnert noch an die 95-jährige Geschichte der „Kartause Maria Hain“.
Wer wollte die Sprengung?
Die Mönche selbst forderten den Abriss der Klosteranlage unmittelbar nach ihrem Wegzug. Über den klösterlichen Grund rollen jetzt Flugzeuge, rauschen Autos und schweben Fluggäste im Skytrain zum Airport.Folgen Sie einer nahezu kriminalistischen Spurensuche mit Einblicken in das schweigsame Leben der Patres und Brüder, Berichten von Zeitzeugen, Zufallsfunden und bisher unbekannten Details zum Verkaufspoker zwischen dem Prior und der Stadt Düsseldorf.
Die Stille der Mönchszelle sinnlich erfahren
60
Jahre nach dem Verschwinden der „Kartause Maria Hain“ erinnerte eine Ausstellung
mit Fotos, Stadtplänen und Modellen in der Stadtteilbücherei Unterrath
an die Geschichte des Klosters. Der Nachbau des Hauptraums
eines Zellenhäuschens machte für Besucher Alleinsein, Stille und Schweigen der Patres sinnlich
erfahrbar. In zehn Vorträgen mit historischen Fotos und
Filmausschnitten berichtete Hans-Dieter Budde von der Geschichte des Klosters,
dem Abriss und dem, was bis heute übrigblieb. Immer wieder meldeten sich dabei
Zeitzeugen zu Wort. Im Begleitheft zur Ausstellung werden ihre Erzählungen immer noch aktualisiert. Es steht
weiterhin zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Zum Download des Begleitheftes
Neue Heimat in Oberschwaben
1964 zogen Patres und Brüder von der Düsseldorfer „Kartause
Hain“ um in die „Kartause Marienau“ in Seibranz,
einem Ortsteil von Bad Wurzach/Oberschwaben. Dort leben sie heute inmitten
eines großen Waldgebietes im Voralpenland in Abgeschiedenheit und Stille, wie
es den Statuten des Ordens entspricht. Wie alle Kartäuserkloster kann auch die „Kartause
Marienau“ nicht besichtigt werden. Weltweit gibt es noch etwa 350
Kartäuserinnen und Kartäuser in sechzehn Männer- und fünf Frauenklöstern.